27. September 2009
Vor kurzem habe ich eine interessante Konversation über europäische Musik geführt, dessen Inhalt ich euch nicht vorenthalten möchte. Die Gesprächsteilnehmenden waren zwei Kanadier (X und Y) und ich. Nachfolgend versuche ich, den Gesprächsverlauf bestmöglichst wiederzugeben.
Im Radio läuft das Lied “Super Trouper”. X frägt mich, ob ich die Musikgruppe “Abba” kenne. Ich bejahe dies. Die Band kommt aus Schweden und hatte auch in Deutschland einige bemerkenswerte Erfolge zu verbuchen. X frägt mich daraufhin, in welcher Sprache Abba in Europa singt und in welchen Sprachen europäische Gruppen normalerweise so singen. Ich antworte, dass viele Bands in Englisch singen - vor allem, wenn sie international Erfolg haben möchten. X frägt mich, ob es mir nicht komisch vorkomme, wenn manche Lieder auf Englisch, andere auf Deutsch oder sonstigen Sprachen gesungen werden. X kann sich nämlich nicht daran erinnern, jemals ein Lied in einer anderen Sprache außer Englisch gehört zu haben.
Plötzlich schaltet sich Y in unser Gespräch ein. Y kann nicht glauben, dass X noch niemals ein Lied in einer anderen Sprache außer Englisch gehört hat. Y frägt X, ob er denn noch nie schottische Musik gehört habe. Man kann nämlich jeden Sonntag im Musikprogramm der Radiostation Z schottische Musik hören. Und das ist Musik aus Europa.
Mittlerweile ist der Abba-Song vorüber und im Radio läuft eine regionale Werbung für das Oktoberfest in Kitchener. Der Jingle dafür klingt sehr Bayrisch, gesungen wird aber auf Englisch. Und ich überlege mir, welche Sprache man wohl in Schottland spricht. Schottisch? Europanisch? Schließlich liegt Schottland in Europa. Oder vielleicht, unter Umständen, aber das ist jetzt reine Vermutung, spricht man dort ENGLISCH?
Nach einer kurzen Denkpause bemerkt Y dann, dass zu schottischer Musik auch Englisch gesungen wird. Aber es ist eine so wunderschöne Musik. Und Y mag diese Musik sehr gerne. Ich beende das Gespräch in sprachlosem Schweigen.
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7. Mai 2009
Heute in der Mittagspause habe ich in der aktuellen TV-Zeitschrift einen tierisch guten Literaturhinweis gelesen. Es handelt sich dabei um ein umfassendes Nachschlagewerk, das mir helfen soll, meine Kommunikation mit Katzen zu verbessern. Bei einer Unterhaltung mit einer Katze kommt es schließlich darauf an, dass ich verstehe, was sie mir wirklich sagen will und nicht, dass ich darüber nur unzulängliche Vermutungen anstelle. Dieser Ratgeber ist übrigens nicht nur für Katzenbesitzer eine aufschlussreiche Lektüre. Nein! Auch wenn man Kontakt zu Katzen in der Nachbarschaft oder im Bekanntenkreis hat, sollte man sich dieses geniale Buch unbedingt noch heute bestellen. Tja, da bleibt mir nur noch am Ende ein “Fauch-Miau” zu sagen - was auch immer das jetzt heißen mag.
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25. März 2009
Mein Pass läuft nächstes Jahr ab. Damit ich ein Visum für meinen Freiwilligendienst in Kanada bekommen kann, brauche ich aber einen Pass, der länger gültig ist. Da ich derzeit in der Schweiz wohne, kann ich einen ePass nur bei der Deutschen Botschaft in Bern beantragen. Deshalb war ich heute im Willadingweg 78 und habe dort meine Unterlagen samt Fingerabdrücke abgegeben.
Eigentlich hatte ich mich auf eine lange Wartezeit vor und in der Botschaft eingestellt. So, wie ich das eben auch auf anderen Botschaften erlebt habe. Aber dem war nicht so. In weniger als 15 Minuten war alles erledigt (inkl. Klobesuch). Und dank meiner Zahlung von 32,00 EUR für den Expresszuschlag werde ich in spätestens drei Wochen den neuen Pass in meinen Händen halten. Ich liebe Deutscheland!
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31. Januar 2009
Nächste Woche ist es mal wieder soweit. Eine weitere Zukunftsweiche in meinem Leben wird mit einem Telefoninterview gestellt. Heute habe ich mir Zeit genommen, um mich auf dieses Gespräch vorzubereiten: Ich habe mich intensiv mit der Stellenbeschreibung befasst, bin auf der Homepage der Organisation rumgesurft, habe die FAQ’s und die Anforderungen durchgelesen… Und trotzdem bleibt die Aufregung, wie es wohl werden wird. Das Wissen um meine mittelmäßigen Englischkenntnisse. Die Angst, zu versagen.
Und mitten hinein in diesen Gefühlscocktail lese ich die Losung für den heutigen Tag. Das haut mich um. Da kann ich nur noch still werden und staunen. Ich weiss nicht, ob ich die Stelle bekommen werde. Aber ich bin mir sicher, dass bei Gott nichts unmöglich ist. Ich darf darauf vertrauen, dass er es gut mit mir meint, mich führt und leitet. Und plötzlich ist es nicht mehr wichtig, was in Zukunft sein wird. Weil ich die tiefe Gewissheit habe, dass für ihn alles möglich ist.
„Ich bin der Herr, der Gott aller Menschen. Sollte mir etwas unmöglich sein?“ Jeremia 32.27
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6. Januar 2009
Seit Tagen sehe ich in den Bäckereien und Supermärkten immer wieder ein bestimmtes Gebäck in der Auslage. Und heute wurde ich endlich mit dieser für mich neuen schweizer Tradition konfrontiert: Der Dreikönigskuchen. Dieses Gebäck wird am 6. Januar zum Tag der Erscheinung des Herrn (Epiphanias), dem Festtag der heiligen drei Könige, gebacken. In den Kuchen wird ein kleiner Plastik-König (früher eine getrocknete Bohne) eingebacken. Wer beim Essen diesen König findet, bekommt eine goldene Papierkrone aufgesetzt (Burgerking lässt grüßen) und wird dann den ganzen Tag über von der Familie als “König” verwöhnt.
Als ich zum “Znüni” (Frühstückspause) ins Personalzimmer gekommen bin, gab es den besagten leckeren Hefekuchen zum Frühstück. Ich war total überrascht, dass es in der Schweiz süßen Zopf gibt (zumindest hat der Dreikönigskuchen genauso geschmeckt wie in Deutschland der Hefezopf). Nach einigen Minuten stand unser Personal-König fest: Hampe hatte die kleine Plastikfigur in seinem Kuchenstück. Diese wurde jedoch sofort vom Küchenchef konfisziert, damit sie im Nachtisch-Dreikönigskuchen für die Studis nochmal zum Einsatz kommen konnte.

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18. Dezember 2008
Nachdem ich vor einiger Zeit von einer positiven Geschmackserfahrung berichtet habe, möchte ich nun die Gelegenheit nutzen, um von Nahrungsmitteln zu erzählen, die für den Schweizer Gaumen als Delikatesse gelten, jedoch dem meinen nicht munden.
Da wäre zunächst die Vermicelles, eine Maronenmasse aus Esskastanien. Entweder man liebt sie, oder man hasst sie. Derzeit gehöre ich zur zweiten Kategorie. Hier ein Erklärungsversuch dafür: Die Masse wird durch ein Lochblech gedrückt und sieht dann aus wie braunes Spaghetti-Eis, wobei sich Geschmack und Konsistenz dieser beiden Nachspeisen erheblich unterscheiden. Diese Differenz kann von meinem Denken nicht umgesetzt werden.
Die zweite Eigenheit, die mir auf jedem Apéro begegnet, ist der Rimuss-Sekt. Heute habe ich ein kleines Schlückchen dieses “spritzig frischen Edeltraubensaft mit feinem Moscatogeschmack” probiert und für zu süß empfunden. Als Alternative gab es noch einen alkoholfreien Sekt, der im Geschmack eher herb und deshalb für mich geschmacklich angenehm war. Ungläubig habe ich dann beobachtet, wie dieses “kalorienarme und prickelnde Erlebnis” mit Himbeer-Sirup verfeinert wurde, damit es die richtige Süße erhält. Zum Glück lässt sich über Geschmack bekanntlich streiten.
Und welche Gaumenerfahrungen haben euch verblüfft? Ich freu mich über eure Kommentare!
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7. Dezember 2008
Heute wurde ich Zeuge eines brutalen Verkehrsdelikts: Der neue Kreisel vor der Schänzli-Gemeinde in Muttenz wurde rücksichtslos überfahren. Einfach so. Das geht doch nicht! Dieser Kreisel wurde bestimmt mit so viel Liebe zum Detail und für eine höhere Verkehrssicherheit im Wohngebiet eingerichtet. Und dann wird er von einem Verkehrs-Rowdy einfach nicht beachtet. Unglaublich!
Heike und ich konnten diesen Zustand nicht auf sich beruhen lassen und haben dem Kreisel dann seine Würde zurückgegeben, in dem wir ihn einmal umfahren haben. Dank dem kleinen Wendekreis meines A2 musste ich dabei auch gar nicht zurücksetzen.
Damit ihr auch versteht, wovon ich rede, hier noch ein Bild von dem süßen Kreisel während seiner Bauphase. Ihr wisst ja: In der Schweiz ist alles ein bisschen kleiner und so. Wichtiger Hinweis: Die Absperrung ist mittlerweile abgebaut.

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2. Dezember 2008
Ich habe eine Allergie gegen den Satz „Das war schon immer so!“. „Immer“ – schon allein dieses Wort beansprucht in dieser Aussage eine für mich unfassbare Zeitspanne. Und was meint eigentlich „so“ in diesem Zusammenhang? Viel wichtiger ist doch, dass man kommuniziert, wie es bisher „immer“ war und man dann überlegen kann, ob das „so“ noch sinnvoll ist.
Heute ist mir dieser Satz ein paar Mal begegnet. Dazu ein simples Beispiel aus meinem Arbeitsalltag: Wenn sich an den Essenszahlen etwas ändert, gibt es drei Stellen, an denen diese Information aktualisiert werden muss. Das sind drei Fehlerquellen. Außerdem ändern sich die Zahlen an manchen Tagen nahezu stündlich. Viel praktischer wäre es doch, wenn man ein System via Computer hätte, mit dem alle vernetzt sind und über das man dann die Zahlen übermitteln kann. Das ganze könnte dann auch gleich in die Abrechnung mit übernommen und für die Statistik genutzt werden. Man wäre effektiver – Zeit ist bekanntlich Geld –, man würde Materialkosten (z.B. Papier) sparen, es gäbe nur noch eine Fehlerquelle und dann…
Ja, dann fällt der Strom aus und beweist, dass es besser ist, wenn man es „so“ macht, wie es schon „immer“ war.
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24. Oktober 2008
Wenn man in eine andere Kultur eintaucht, hört man diverse Gerüchte über Umgangsformen, die einem in diesem Moment wenig glaubhaft erscheinen. Und plötzlich begegnen sie einem mitten im Alltag mit einer Selbstverständlichkeit und werden deshalb sofort unbewusst von einem selbst adaptiert. Dazu ein Beispiel:
Heute wurde ich während eines Telefongesprächs mehrmals in die Warteschleife gesetzt. Sobald ich wieder meine Gesprächsparterin am Apparat hatte, fragte sie mich “Sind sie noch da?”. Was soll man darauf nur antworten? Es handelt sich bei diesem Satz wohl um eine rhetorische Frage, ähnlich dem amerikanischen “Hi, how are you?”. Leider fällt mir gerade kein deutsches Beispiel dafür ein. Man wird es mir hoffentlich nachsehen. Später habe ich mich dann dabei ertappt, wie ich selbst beim Vermitteln von Telefongesprächen gefragt habe, ob am anderen Ende noch jemand dran ist. Ich wollte mich auch wirklich nur vergewissern, dass noch jemand in der Leitung ist und ich nicht versehentlich ein telefonisches Gespräch mit mir selbst führe.
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13. Oktober 2008
Heute habe ich in der Dessertkarte des Bieni-Restaurants eine Bezeichnung entdeckt, die mich wieder zum Schmunzeln gebracht hat. Dort gibt es nämlich für 1.50 CHF einen Rahmzuschlag. In der Schweiz ist das die übliche Bezeichnung für die extra Portion Sahne. Die Größe des Zuschlags kann von einer einfachen über eine doppelte Sahne-Rosette bis hin zu einem Sahne-Häubchen variieren. Und ich kann verstehen, dass es Rahmzuschlag heisst. Ein separater Anteil Schlagrahm klingt irgendwie seltsam. Von nun an werde ich meinen Nachtisch nur noch mit einem Rahmzuschlag verspeisen.

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